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Erste Hilfe bei Tieren

Grundlagen:

  • Ruhe bewahren!
  • Versuchen Sie Hilfe von einer zweiten Person zu bekommen.
  • Verständigen Sie sofort Ihren Tierarzt (Beschreiben Sie die Symptome kurz und knapp).
  • Gewährleisten Sie einen sicheren Transport (z.B.: Katzen in einem Transporter oder durch eine zweite Person, die die Katze sicher halten kann).
  • !!!Vorsicht!!! bei fremden Tieren oder welche die in Panik geraten könnten, Beißkorb/ Maulschlinge bei Hunden oder ein Handtuch zum Überwerfen bei Katzen kann Ihnen ein bisschen Sicherheit gewährleisten. 

Notfall: Atemnot

Symptome für einen plötzlichen Erstickungsanfall können sein:

  • erschwerte Atmung, geöffneter Mund und hecheln
  • Geräusche beim Ein- & Ausatmen, Würgen
  • eine blauverfärbte Zunge/Schleimhäute
  • Unruhe

Mögliche Ursache kann z.B.: ein feststeckender Fremdkörper im Rachenraum sein, etc.

Maßnahmen:

  • Wenn Ihr Tier schwer, aber weiterhin Luft bekommt, fahren Sie sofort in die nächste Tierklinik oder zum nächsten Tierarzt.
  • Wenn Ihr Tier keine Luft mehr bekommt, versuchen Sie zunächst das Maul zu öffnen und vergewissern Sie sich, ob evtl. ein Fremdkörper im Maul-/Rachenbereich steckt. Sollte dies der Fall sein, können Sie versuchen, diesen hinauszuziehen → VORSICHT! Nicht aus Versehen den Fremdkörper weiter hineinschieben!
  • Können Sie den Fremdkörper beim ersten Versuch nicht aus dem Rachen-/Maul entfernen, verschwenden Sie keine weitere Zeit und fahren Sie sofort zum nächsten Tierarzt/klinik, da dort passendes Werkzeug vorhanden ist, um einen Fremdkörper rasch und vor allem sicher zu entfernen.
  • Wenn Ihr Tier zu Ersticken droht, üben Sie mit beiden Händen einen kurzen, aber kräftigen Druck auf den Rippenbogen aus. Wiederholen Sie diesen Vorgang 3-4 Mal um stetig Luft aus der Lunge hinaus zu pumpen und im Anschluss machen Sie eine kurze Pause. Wenn möglich führen Sie diesen Vorgang solange aus, bis Sie den nächsten Tierarzt oder Tierklinik erreicht haben.

Notfall: Atemstillstand

  • bestenfalls verständigt eine Zweitperson sofort den nächsten Tierarzt/ klinik.
  • Bewahren Sie Ruhe!
  • Öffnen Sie das Maul Ihres Vierbeiners und ziehen Sie vorsichtig die Zunge heraus.
  • Vergewissern Sie sich, ob sich ein Fremdkörper im Maul befindet. Falls möglich entfernen Sie diesen so vorsichtig wie möglich!
  • Setzt die Atmung trotz jeglicher Versuche nicht wieder ein, schließen Sie das Maul Ihres Tieres und blasen mit Ihrem Mund direkt in die Nase Ihres Tieres, hierbei sollte sich der Brustkorb des Tieres heben und wieder senken. Wiederholen Sie diesen Vorgang alle 4 bis 5 Sekunden und führen Sie diese Behandlung solange fort, bis Sie Ihren Tierarzt oder Tierklinik erreicht haben.

Notfall: Blutung bzw. blutende Verletzung

  • Versuchen Sie Ihr Tier zu beruhigen und ruhig zu halten.
  • legen Sie eine saubere (besser sterile) Wundauflage auf die blutende Wunde auf und üben Sie stetigen Druck für mehrere Minuten aus oder machen Sie einen festen Druckverband (bringen Sie bei stärkeren Blutungen zusätzlich eine weitere aufgerollte elastische Mullbinde zwischen die blutende Wunde und den Verband an, um die Blutung noch besser zu unterbinden).
  • Da starke Blutungen lebensbedrohlich für Ihr Tier sein können, fahren Sie unverzüglich in die nächste Klinik, um rasch Hilfe zu bekommen.

Notfall: Herzstillstand

  • Bevor irgendwelche Wiederbelebungsmaßnahmen eingeleitet werden, vergewissern Sie sich, dass die Atemwege Ihres Tieres frei sind.
  • Legen Sie Ihr Tier vorsichtig auf die rechte Seite und ziehen Sie ihm/ ihr die Zunge heraus, um das Freibleiben der Atemwege zu gewährleisten.
  • Herzdruckmassage: Das Herz befindet sich auf Höhe des angewinkelten Ellenbogens, auf der linken Seite, in der hinteren Hälfte des Brustkorbes.

Bei größeren Hunden legen Sie beide Hände auf den Brustkorb in der Höhe des Herzens und üben Sie stetigen Druck aus, um die Wiederbelebung einzuleiten. Im besten Fall wechseln Sie sich mit einer Zweitperson ab, da dies sehr schnell sehr anstrengend werden kann.

Katzen und kleine Hunde: Umgreifen Sie den Brustkorb mit einer Hand so, dass der Daumen auf der linken Seite und die restlichen Finger auf der rechten Seite liegen. Drücken Sie nun den Brustkorb der Katze/des Hundes zusammen und wiederholen Sie diesen Vorgang.

Wechseln Sie zwischen Beatmung (siehe Atemstillstand) und Herzdruckmassage ab (30x Herzdruckmassage & 2x Beatmung). Im Zweifelsfall ist Herzdruckmassage wichtiger, als die Beatmung. Führen Sie die Herzdruckmassage solange fort, bis Sie wieder einen Herzschlag spüren oder in einer Tierklinik angekommen sind.


Notfall: Hitzeschock

Lassen Sie Ihr Tier an warmen Tagen nie alleine im Auto zurück! Schon wenige Minuten können fatale Folgen haben!

  • Bringen Sie Ihr Tier im Falle eines Hitzeschocks sofort zu einem Tierarzt oder in eine Tierklinik.
  • Wenn Sie nicht sofort zu einem Tierarzt fahren können, bringen Sie Ihr Tier sofort an einen kühlen, schattigen Platz und wickeln Sie ihm/ ihr ein kühles (nicht eiskaltes!) Tuch um alle Pfoten und auf den Kopf (Nase & Augen bitte freihalten). Erneuern Sie die Wickel alle fünf Minuten um eine kontinuierliche Kühlung zu garantieren. Wenn keine Handtücher oder ähnliches vorhanden sind, können Sie die Pfoten auch mit kühlem Wasser befeuchten.

Sobald die Möglichkeit gegeben ist, bringen Sie Ihr Tier unverzüglich zu einem Tierarzt.


Notfall: Krampfanfall

  • Wenn Ihr Tier zum Krampfen anfängt, sichern Sie die Umgebung des Tieres, damit es sich nicht an z.B.: Möbelstücken verletzen kann.
  • Versuchen Sie NICHT Ihr Tier festzuhalten, da es Sie im Fall der Fälle verletzen könnte.
  • Warten Sie den Krampfanfall ab und versuchen Sie die Dauer und die Symptome (z.B.: unwillkürlicher Kot und/oder Harnabsatz) aufzuzeichnen.
  • Wenn der Krampfanfall vorbei ist, halten Sie Ihr Tier warm und achten Sie auf eine ruhige (und reizarme) Umgebung.
  • Kontaktieren Sie im Anschluss sofort Ihren Tierarzt und/oder fahren direkt in eine Tierklinik.

Notfall: Knochenbruch

Mögliche Anzeichen:

  • Tier kann sich nicht mehr oder kaum bewegen
  • abnormale Beweglichkeit einer Gliedmaße
  • Schwellung an der potenziellen Bruchstelle
  • starke Schmerzen an der betroffenen Stelle

Maßnahmen:

  • reden Sie beruhigt auf Ihr Tier ein und halten Sie es so ruhig wie möglich.
  • Sorgen Sie für einen sicheren Transport & üben Sie keinen großen Druck auf die verletzte Stelle aus.
  • Vorsicht! Ein Bruch verursacht massive Schmerzen, wodurch der liebste Vierbeiner schon einmal zuschnappen kann.
  • Sollte ein offener Bruch vorhanden sein, die offene Wunde mit einer sterilen Wundauflage und einem leichten Verband vor weiteren Verschmutzungen schützen.
  • Kontaktieren Sie sofort Ihren Tierarzt oder die nächstgelegene Tierklinik zur weiteren Abklärung.

Notfall: Schock

In der Regel kann ein Schock eintreten nach einem schweren Unfall (z.B.: ein Autounfall, ein Fenstersturz), Hitzschlag, Verbrennungen, Vergiftungen, Kämpfe, Magendrehung und bei starkem Blutverlust.

Symptome:

  • apathisch bis zur Bewusstlosigkeit
  • geschwächter Allgemeinzustand
  • unsichere/ taumelnde Bewegungen bis hin zum Zusammenbruch
  • zittern
  • Extremitätenenden (Pfoten, Ohren und Schwanz) können kühl sein
  • blasse Schleimhäute
  • kapillare Füllzeit ist verzögert (mit dem Finger aufs Zahnfleisch drücken bis es weiß wird, loslassen und die Sekunden zählen, bis es sich wieder rosa verfärbt → normal maximal ein bis zwei Sekunden)
  • erhöhter Herzschlag
  • flache, schnelle Atmung

Maßnahmen:

  • Ruhe bewahren
  • Tierarzt/Tierklinik kontaktieren und sofort hinfahren
  • Schocklagerung:
    • Tier auf seine rechte Seite legen
    • Kopf in einer Linie zur Wirbelsäule bringen
    • bei Ohnmacht, Zunge aus dem Maul ziehen, um freie Atmung zu garantieren
    • hinteren Körperbereich höher Lagern
    • Atemwege freihalten
    • Tier warmhalten
    • wenn Tier bei Bewusstsein ist, Wasser anbieten

Notfall: Verbrennung

  • Kühlen Sie die verbrannten Stellen mit viel kühlem Wasser oder Kühlakkus (nie direkt auf die Wunde legen, immer mit einem Tuch dazwischen).
  • legen Sie einen leichten Verband mit einer sterilen Wundauflage auf die Verbrennung und kühlen Sie weiter mit Kühlakkus.
  • geben Sie KEINE Salben auf die Wunde!
  • fahren Sie direkt zu Ihrem Tierarzt oder in eine Tierklinik.

Notfall: Vergiftung

Je nach Art und Dosis des Giftes können unterschiedliche Symptome auftreten, meist erst im späteren Stadium der Vergiftung. Wichtig, falls Giftstoff bzw. Vergiftungsursache bekannt, eine Probe zum Tierarzt mitnehmen.

Symptome:

  • Unruhe
  • Erbrechen (ohne Rücksprache nicht selbstständig das Tier erbrechen lassen!)
  • Durchfall
  • unregelmäßiger Herzschlag
  • blasse Schleimhäute
  • ungewöhnliche Pupillengröße (stark verengt oder erweitert)
  • Blut im Urin oder Kot
  • Krämpfe
  • anhaltender „Katzenbuckel“ als Symptom für starke Bauchschmerzen
  • Muskelzittern
  • Lähmungserscheinungen
  • absinkende Körpertemperatur
  • Apathie/Bewusstlosigkeit

Maßnahmen:

  • unverzüglich zu einem Tierarzt/Tierklinik fahren bevor erste Symptome auftreten(jede Minute zählt)!
  • wurde das Gift gerade erst aufgenommen, kann Aktivkohle als Erstmaßnahme gegeben werden.
  • Tier sehr genau beobachten (evtl. mit Zweitperson zum Tierarzt fahren).
  • bei Kreislaufschwäche Tier warmhalten.
  • bei einem Krampfanfall Tier so hinlegen, dass er/ sie sich und seine Umgebung nicht verletzen kann!
  • wenn Vergiftungsursache/Gift bekannt unbedingt eine Probe zum Tierarzt mitnehmen!

Wichtig für den Tierarzt ist:

  • Welcher Giftstoff?
  • Wie wurde das Gift aufgenommen?
  • Wieviel wurde aufgenommen?
  • Wann wurde das Gift aufgenommen?
  • Wie häufig wurde das Gift aufgenommen?